Auszug:

 NABU-Grundsatzprogramm 2000

 Schwerpunkte
Von einer nachhaltigen Entwicklung  weit entfernt
 Der Verlust an Lebensräumen nicht gebremst
Wasser ist in vielen Teilen der Erde knapp
Luftverschmutzung muss gestoppt werden
Das Bevölkerungswachstum ist ungebremst
Regionale Wirtschafskreisläufe zur Vermeidung von Verkehr
 Klimaveränderung zwingt zur Verringerung der Kohlendioxydemission
Vollständiger Text des Grundsatzprogramms

Schwerpunkte:

  die Verbesserung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Natur- und Umweltschutzarbeit
das Entwickeln von konkreten Maßnahmen zum Erreichen unserer natur- und umweltschutzpolitischen Zielvorstellungen durch eine Verstärkung der umweltpolitischen Arbeit, des Dialogs mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und Unternehmen,
die Weiterentwicklung des NABU als gesellschaftliche Lobbyorganisation und als Verband für alle Menschen, die am Erleben der Natur Freude haben.

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Global gesehen sind wir von einer nachhaltigen Entwicklung noch weit entfernt. Der Energie- und Ressourcenverbrauch wächst weiter. Gleichzeitig verarmen andere Länder immer mehr. Die Zerstörung der Urwälder schreitet ebenso voran wie die Überfischung der Meere, der Verlust an biologischer Vielfalt, die Zerschneidung naturnaher Landschaftsräume oder die Zunahme des Treibhauseffektes. Gleichzeitig steigt weltweit durch das starke Bevölkerungswachstum der Druck auf Natur- und Kulturlandschaften. Der globale Schutz von Umwelt und Natur ist deshalb eine Schlüsselaufgabe unserer Zukunft.
Umweltpolitischen Fortschritt hat es vor allem in solchen Ländern gegeben, in denen Natur- und Umweltorganisationen aktiv waren und der technische Umweltschutz als Arbeits- und Wachstumsmarkt erkannt wurde. So sind in der Bundesrepublik Deutschland wichtige umweltpolitische Fortschritte beim Schutz von Luft, Wasser und teilweise auch beim Boden erzielt worden. Von der Verringerung der Stoff- und Abfallströme haben auch Natur und menschliche Gesundheit profitiert. Heute sind die Aufgaben, die Umwelt zu schützen und Ressourcen zu schonen, zu Kernaufgaben in Unternehmen und Institutionen geworden.

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Diesen Erfolgen im technischen Umweltschutz stehen Misserfolge in anderen Bereichen gegenüber. Der Verlust an Lebensräumen und damit an biologischer Vielfalt in Deutschland ist nicht gebremst, ebenso wenig die Inanspruchnahme zumeist landwirtschaftlich genutzter Flächen für Siedlungen und Verkehrswege. Hoher Energieverbrauch und die Zunahme des Verkehrs haben zu einem Anstieg der klimarelevanten Treibhausgase geführt. Böden und Grundwasserressourcen sind durch Nitrat und Pestizide belastet. Wegen ihres hohen Ressourcenverbrauchs kommt auf die Industriestaaten und hier auch die Bundesrepublik Deutschland die Verpflichtung zu, eine Vorreiterrolle beim Umwelt- und Naturschutz zu übernehmen. Der Auftrag des Grundgesetzes, die natürlichen Lebensgrundlagen nicht weiter zu verschlechtern, sondern zu schützen, muss erfüllt werden.

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Auch das Thema Wasser ist global gesehen eines der wichtigsten Themen. Viele Erdteile leiden bereits unter Wasserverknappung, während in den Industrienationen der Pro-Kopf-Verbrauch immer noch weit über 100 Liter pro Tag liegt. In manchen Regionen wird schon heute um den Zugang zum Wasser gekämpft. Der NABU setzt sich für einen schonenden Umgang mit Wasser in allen Bereichen ein. Dazu zählen eine Senkung des Wasserverbrauchs, Maßnahmen zur Gewässerreinhaltung und zum Gewässerschutz und der Schutz der Meere.

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Gefordert sind auch globale Maßnahmen zur Eindämmung der Luftverschmutzung. Die Eutrophierung führt weltweit zu einer Nivellierung der biologischen und landschaftlichen Vielfalt. Hauptverursacher sind dabei Emissionen aus Industrie, Verkehr und Landwirtschaft.

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Zu einer globalen umweltpolitischen Bestandsaufnahme zählt auch, dass das nach wie vor ungebremste Bevölkerungswachstum ein zentrales Zukunftsproblem unserer Erde darstellt. Alle Lebensbereiche und ökologischen Themen werden von der Bevölkerungsentwicklung tangiert (zum Beispiel großflächige Waldrodungen, Treibhauseffekt, Überweidung, Wasser, Ernährung, Abfälle). Der NABU fordert und unterstützt Maßnahmen, weltweit Menschen für dieses Problem unter Berücksichtigung ihrer Kultur und Lebenssituation zu sensibilisieren und einfache, praktikable und finanzierbare Möglichkeiten zur Familienplanung zu entwickeln und anzubieten.

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Das Leitbild der Zukunft liegt in der naturverträglichen Entwicklung von Regionen. Regionen sind für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger wichtige Bezugspunkte. Regionale Wirtschaftskreisläufe dienen der Vermeidung von Verkehr. Viele globale Probleme werden leichter lösbar, wenn Projekte mit der Verknüpfung naturverträglicher und regionaler Produktion, Verarbeitung und Vermarktung vermehrt entwickelt und gefördert werden. Als Modellregionen hierfür sind insbesondere Biosphärenreservate geeignet, die regionale Wirtschaftskreisläufe und Naturschutzanliegen miteinander verbinden. Für die Förderung der Regionen spielen Kooperationen des NABU mit sozialen, kirchlichen und anderen gesellschaftlichen Gruppen eine große Rolle.Der NABU setzt sich für ein neues, vertieftes Verhältnis der Menschen zur Natur ein. Der Natur müssen auch in industrialisierten Ländern Räume für eine vom Menschen unbeeinflusste Entwicklung überlassen werden. In einem modernen Naturverständnis wird die Natur auch um ihrer selbst willen erhalten und nicht nur unter Nutzungs- und Selbsterhaltungsgesichtspunkten für die Menschen betrachtet.

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 Eine der größten Herausforderungen für den Natur- und Umweltschutz der nächsten Jahre und Jahrzehnte ist die sich immer stärker abzeichnende Klimaveränderung. Sie ist Ausdruck einer grundlegenden Fehlentwicklung, nämlich eines um Größenordnungen zu hohen Energie- und Ressourcenverbrauchs in den Industrieländern.
Der NABU unterstützt deshalb das auch von der Bundesregierung formulierte Ziel, den Kohlendioxidausstoß – basierend auf dem Bezugsjahr 1990 – bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent zu verringern.
Zwar haben auch Entwicklungsländer einen wachsenden Anteil an der globalen Umweltgefährdung und können sich künftig ihrer Verantwortung nicht entziehen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass beim Kohlendioxid der Pro-Kopf-Ausstoß eines Bundesbürgers pro Jahr etwa elf Tonnen beträgt, während ein Bürger Indiens nicht einmal eine Tonne Kohlendioxid pro Jahr verursacht.

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